Es war die pittoreske südspanische Stadt Cádiz, in der 1785 Joseph Haydns “Sieben letzte Worte unseres Erlösers am Kreuze” uraufgeführt wurden. Als am Samstag Minusgrade vor den Türen der Petrikirche herrschten, waren es die Musiker von Symphonia Nova, die für Hitze in dieser berühmten Passionsmusik sorgten.

Unakademischer Bach

Den Anfang machte das münstersche Streichquartett jedoch mit Bachs “Kunst der Fuge”. Der Zyklus, der ursprünglich als Jahresbeitrag Bachs für die “Correspondierende Societät der musicalischen Wissenschaften” gedacht war, ist für jeden Musiker auf barocken Pfaden Pflicht. Doch unter den Fingern des Streichquartetts wurde die Musik ganz und gar mit neuem Leben erfüllt. Neben der spielerischen Präzision entfachte jede Kadenz einen Funken, jeder Stimmverlauf ein kleines Feuer, dessen Wärme bis in den Dachstuhl der Kirche am Juridicum strömte.
Auch bei Haydns “Sieben letzten Worte unseres Erlösers” bewiesen die Musiker unter der Führung von Violinist Matthias Reuland ein sensibles Gesprür für die emotionalen Tiefen des Werks. Gemeinsam mit seinen studentischen Mitmusikern Inga Blumenroth (Viola), Lilian Jung (Violine) und Benedikt Kleineidam (Cello) schaffte es Reuland, das Publikum mitzureißen, was schon ein kurzer Blick über die Kirchenbänke bestätigte. Ausnahmslos mit geschlossenen Augen ließen sich die Zuhörer in die Sonatensätze fallen. Haydns Befürchtung, dass die langsamen Sätze auf Dauer das Publikum ermüden könnten, war am Samstag unbegründet. Denn das preisgekrönte Ensemble sog aus der Partitur eine ungeahnte dynamische Kraft. Insbesondere beim Abschluss “Il terremoto” (Das Erdbeben) erschütterten die Musiker das Gotteshaus bis in seine Grundfesten.

Plätze blieben frei

Dass die Petrikirche dennoch einige freie Plätze aufwies, war wohl den sibirischen Außentemperaturen geschuldet. Drinnen wehte ein Hauch von Cádiz durch das eisige Münster.

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