Sein als Auftragskomposition geschriebenes Werk „Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze“ schätzte Joseph Haydn als eines seiner gelungensten. So arrangierte er bald nach der Orchesterfassung eine Version für Streichquartett, die vier junge Musiker der 2008 von Studenten der Hochschule Münster gegründeten „Symphonia Nova“ am Sonntagnachmittag in der Marker Pankratiuskirche präsentierten.
Das Quartett vereinte diese sieben Adagios zu den in verschiedenen Evangelien überlieferten Worten des gekreuzigten Christus mit Auszügen aus Johann Sebastian Bachs „Die Kunst der Fuge“ zu einem hochklassigen Passionskonzert. Matthias Reuland (1. Violine), Lilian Jung (2. Violine), Inga Blumenroth (Viola) und Benedikt Kleineidam (Violoncello) wählten Bachs Contrapunktus 1 bis 4, 6 und den später hinzugefügten Abschlusschoral „Vor Deinen Thron tret’ ich hiermit“, dem letzten vollendeten Werk des Meisters, zur Konzerteröffnung. Das Arrangement für Streicher der für das Klavier bestimmten Sammlung von Kompositionen erforschte unterschiedliche Möglichkeiten eines Themas. Sehr deutlich wurde Bachs Absicht, hier seine „amtliche“ Zusammenfassung musikalischer Möglichkeiten mit dem Ausblick auf Kommendes zu verbinden.
Bindung und Abstoßung, den Fluss steigernde Dissonanzen, Schwierigkeit und eingängige Schönheit: Die drei- und vierstimmigen Fugen zeigten, warum heutzutage viele Musiker sich wieder auf den alten Meister beziehen und Bach als Visionär betrachten, in dessen Werk bereits vieles „Neue“ vorgezeichnet wurde. „Symphonia Nova“ machte deutlich, dass die verbreitete Annahme, es handle sich bei der „Kunst der Fuge“ um in Musik gefasste Mathematik, vorschnell urteilt. Im schönen Klangraum der Pankratiuskirche schien es einfach, sich in Bachs Klangkosmos zu versetzen und hohen Musikgenuss zu erleben.
Joseph Haydns Werk wurde eine Lesung mit den Apostelworten von Matthäus, Lukas und Johannes vorangestellt. Von „Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“ bis zu „Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hän de“ gaben die letzten sieben Worte Jesus’ die Atmosphäre vor, die der Komponist mit seiner Musik nachzeichnete. Um vieles eingängiger als die vorangestellte Bach-Sammlung, stellten die langsamen, meditativen Sätze die Verbindung zum vorab Gehörten her. In düsterer Stimmung, mit gewaltigem Schall lieferten die bei Matthäus und Lukas erwähnte Verfinsterung der Sonne und das den Tempelvorhang zerreißende Erdbeben den Abschluss dieses bemerkenswerten Konzerts.

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